5 Gedanken zur Kletter-WM in Innsbruck
Unser Redakteur Simon Schöpf war mitten drin statt nur dabei, wurde die Kletter-Weltmeisterschaften 2018 doch in seiner Heimatstadt Innsbruck ausgetragen. Und, wie war‘s? Ein Resümee in 5 Gedanken.
Zahlen, Daten, Platzierungen. Erreichte Topgriffe, Versuche bis zum Zonengriff und Geschwindigkeiten im Millisekundenbereich. All das zähle viel in den 10 Tagen der Kletter-WM 2018, brachte Gold und Silber ein und krönte Champions. Doch gibt es sonst über diese Weltmeisterschaft zu erzählen?
1. Klettern schlägt Fußball um Längen
Zumindest was die Lautstärke im Stadion betrifft. Über den Rest kann man natürlich diskutieren, aber wer im Vorstiegs-Finale die Athleten mit Heimvorteil, Jessy Pilz und Jakob Schubert, bei ihrer Gold-Performance mit angefeuert hat, der weiß, wovon ich spreche. Mit krächzender Stimme und einen halben Gehörsturz später kann man behaupten: Mehr Energie gibt eine crowd ganz einfach nicht mehr her. Als Jessy ihre Route mit einem riskanten, aber zielsicheren Doppel-Dyno fulminant austoppte, war die Olympiahalle in Innsbruck ein einziges Irrenhaus. Das sind Momente, die für immer bleiben.
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2. Man kann auch mit einer Hand verdammt hart klettern
Wer den Athleten in den Paraclimbing-Kategorien zugeschaut hat, der wird schon hin und wieder geschluckt haben. Nicht, weil da ein Mann mit nur einer Hand oder eine Frau mit nur einem Bein härter geklettert ist, als man das selbst jemals tun wird. Sondern weil bei den Bewerben ein so wahnsinnig genialer Spirit mitschwang – ein Spirit von Motivation und Kampfkraft, ganz egal, welche Hindernisse einem das Leben in den Weg legt. Den allergrößten Respekt, den bekommen von mir die Paraclimber.
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3. Auch im Klettern kann es um Sekunden gehen
Ein Kletter-Wettkampf steht und fällt mit einer gut geschraubten Route. Hat sie doch die Aufgabe, die starken Kletterer von den verdammt starken Kletterern zu separieren. Und wenn zwei Kletterer dann einfach um einen guten Schwung besser sind als der Rest der Welt und beide bis nach ganz oben klettern, dann muss eben ein weiteres Kriterium herangezogen werden, um einen Sieger zu ermitteln. So wie bei Jessy Pilz und Janja Garnbret, wo im Vorstiegs-Finale schlussendlich gute 10 Sekunden den Unterschied zwischen Gold und Silber ausmachten. Das mag zwar bizarr klingen, klettern die wenigsten „da draußen“ doch um Zeit, doch Glück ist eben auch Teil des Sports.
4. Nicht nur Plastik, sondern auch Fels
Wer in den Tagen der WM an den Felsen um Innsbruck unterwegs war, der hörte deutlich mehr exotische Sprachen als nur das altbekannte Tirolerisch. Die Leute, die zur WM kamen, waren – logisch – hauptsächlich selbst Kletterer. Und Kletterer, die nur anderen Kletterern zuschauen, werden spätestens am zweiten Tag nervös vor lauter Felsentzug. Kletterer brauchen Felsen, und die gibt es um Innsbruck zu Genüge. Auch deshalb war die WM hier so schön anzuschauen: Weil die sich nicht nur auf gefärbten Plastikgriffen abspielte, sondern sich die guten Schwingungen auch an den Fels übertrugen.
5. Klettern ist einfach geil
Es tut mir leid, ich kann es leider nicht anders ausdrücken. Klettern ist gesund für den ganzen Körper. Klettern verbindet Nationen. Klettern schafft Freundschaften fürs Leben. Klettern integriert. Klettern ist fantastisch zum Zuschauen. Klettern macht süchtig. Denn wenn man einmal damit angefangen hat, dann wird man auch nicht mehr so schnell damit aufhören können. Und deshalb muss abschließend hier noch einmal in aller Klarheit festgehalten werden: Klettern ist einfach geil. Und nur das kann der größte Verdienst von Großveranstaltungen wie diesen sein: Die Leute nachhaltig zu motivieren, den Arsch vom Sofa abheben zu lassen, in einen Klettergurt zu stecken und die Hallen und Felsen dieser Welt zu erkunden.
PS.: Wer sich übrigens doch von diesem Artikel die ganzen Platzierungen und Nationenrankings erwartet hat, den wollen wir natürlich nicht enttäuschen und mit gutem Gewissen hierhin verweisen.
Videos
Lead women final
Boulder men finals
Paraclimbing finals